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Deutsch-tschechisch-polnisches Verständigungsseminar des Deutsch-Europäischen Bildungswerkes

Herzliche Begegnungen bei deutschen Minderheiten

im Altvatergebiet und in Oberschlesien

Das „deutsch-tschechisch-polnische  Miteinander im gemeinsamen Europa“  war Thema einer hoch interessanten 6-  tägigen Seminarreise in die fern  gelegene Altvaterregion und das  benachbarte Oberschlesiengebiet, an  dem in der vergangenen Woche rund 40  Personen, überwiegend aus Hessen,  teilgenommen haben. Durchgeführt  wurde diese vom Bundesministerium  des Innern unterstützte Veranstaltung  vom Deutsch-Europäischen  Bildungswerk in Hessen e.V., einer  langjährigen Einrichtung des Bundes der  Vertriebenen (BdV) in Hessen. Auf dem  umfangreichen Programm standen unter  anderem Empfänge in den Rathäusern  von Freiwaldau/Jesenik (Tschechien)  und Neustadt/Prudnik (Polen) mit  anschließenden Stadtführungen, ein  Besuch der Schule der deutschen  Minderheit in Ratibor-Studen/Raciborz-  Studzienna, ein Aufstieg zum Berggipfel  des Altvaters/Praded (1491 m), eine Fahrt mit der Hotzenplotz-Schmalspurbahn von Röwersdorf nach Hotzenplotz,  Treffen in der Begegnungsstätte des Deutschen Freundschaftskreises in Ratibor-Studen und im Begegnungszentrum des  schlesisch-deutschen Verbandes in Jägerndorf/Krnov und insgesamt 13 Referate und Präsentationen über  geschichtliche, kulturelle, regionale, aber auch aktuell politische Themen mit interessanten Diskussionen.  Eine besondere Rolle spielten dabei die Beiträge und Begegnungen mit den jeweiligen deutschen Minderheiten vor Ort.  So beeindruckte in Ratibor-Studen die Ortsvorsitzende des Deutschen Freundschaftskreises Ursel Lamla mit einem  bewegenden Grußwort über die umfänglichen Aktivitäten der deutschen Volksgruppe nach der Wende und stellte bei  dieser Gelegenheit den international  bekannten, lokalen Eichendorff-Chor vor,  der den Seminarteilnehmern gern einige  gelungene Kostproben seines  gesangsmusikalischen Könnens darbot.  Vom jungen Bürgermeister in Freiwaldau,  Adam Kalous, der erst seit 2014 im Amt  ist, wurden die historischen  Zusammenhänge des Zusammenlebens  von Deutschen und Tschechen in seiner  Stadt sehr offen angesprochen und auch  die über die „Kollektivschuld“ erzwungene  Ausweisung der Deutschen bedauert.  „Diese Menschen mussten ihre Heimat  verlassen und alles zurücklassen, was  ihre Vorfahren über Jahrhunderte  geschaffen hatten“, so der Bürgermeister  und schloss dann seine Ausführungen mit  der Aussage: „ Das Wichtigste bei der  Errichtung des gemeinsamen Hauses  Europa ist, dass beiderseitige Vertrauen  aufzubauen, intensive Zusammenarbeit  untereinander und die Kunst, gegenseitig  zuzuhören“. Seminarleiter Siegbert  Ortmann, der auch Landesvorsitzender  des BdV-Hessen ist, bedankte sich für  diese klare Positionierung zu den geschichtlichen Ereignissen seiner Heimat und wünschte dem jungen  Kommunalpolitiker weiter viel Erfolg bei seiner Arbeit zum Wohle seiner Stadt und unseres gemeinsamen Hauses  Europa.   Im Begegnungszentrum des schlesisch-  deutschen Verbandes Jägerndorf  konnten die Seminarteilnehmer aus dem  Mundes des Vorsitzenden Horst  Westphal erfahren,  wie es zum „Haus  der tschechisch-deutschen  Verständigung“ überhaupt gekommen ist  und welche zahlreichen Aktivitäten sich  daraus seit dem Jahre 2002  entwickelten. In Neustadt/Prudnik hieß  Bürgermeister Franciszek Fejdych die  Gäste aus Hessen im Rathaus  willkommen und stellte seine  „schlesische Stadt“ mit einer  beeindruckenden Geschichte und ihrer  europäischen Identität vor. Er verwies  dabei auch auf die seit über 25 Jahren  bestehende Städtepartnerschaft mit der  niedersächsischen Stadt Northeim und  die damit verbundene gegenseitige  Zusammenarbeit vor allem beim  Jugendaustausch und auf dem  musikalischen Gebiet. Die  Landesbeauftragte der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedlern, Margarete Ziegler-  Raschdorf, ebenfalls Seminarteilnehmerin, hatte sodann Gelegenheit, mit einem Referat über ihre Tätigkeit im Sinne des  europäischen Einigungsgedankens zu sprechen und es bewegte sie schon sehr, dies in dieser oberschlesischen Stadt  ihrer elterlichen Wurzeln zu tun.  Eine Vorstellung dieser einstmals größten Stadt Schlesiens nahm der Heimathistoriker Janusz Stolarczyk bei einer  anschließenden Stadtführung vor und führte bei sengender Mittagshitze die Besuchergruppe auch auf den touristisch  vorbildlich hergerichteten 40 m hohen steinernen Wok-Burgturm, der ältesten Sehenswürdigkeit der Stadt. Von dort oben  bot sich ein herrlicher Rundblick über diese mittelalterliche Stadt und Umgebung.  Untergebracht waren die Seminarteilnehmer während der gesamten Tagung im  gemütlichen Gästehaus „MAX“ im beschaulichen Örtchen Arnoldsdorf/Jarnoltowek/Polen, unweit der tschechischen  Grenze und damit zentral zu den einzelnen Tagungsorten gelegen. Die Anfahrten dorthin gestalteten sich immer recht  kurzweilig, weil Seminarteilnehmer Dr. Stephan Kaiser, Direktor des Oberschlesischen Landesmuseums in Ratingen,  diese „Programmpausen“ sinnvoll nutzte, wertvolle Informationen über Geschichte und Kultur, aber auch aktuelle  Begebenheiten in Oberschlesien und dem Altvatergebiet zu geben.  Vor dem abendlichen gemütlichen Beisammensein bei Grillspeisen und mitgeführten  Rheingauer-Wein am Ende dieses Seminars stand noch ein hochinteressantes Referat über die deutsche Minderheit in  Schlesien und die neue polnische Regierung  auf dem Programm, das der Chefredakteur des Wochenblattes, einer Wochenzeitung aus Oppeln für die deutsche  Minderheit in Polen in sehr gekonnter Weise hielt.  Bei der weiten Rückreise nach Deutschland waren die Teilnehmer einhellig der Auffassung, herzliche Begegnungen mit  den Mitgliedern der deutschen Minderheiten-Organisationen vor Ort und viele interessante Informationen aus der  Altvaterregion und Oberschlesien erfahren zu haben.  Text und Fotos: Siegbert Ortmann 27. Juni 2016
Seminarteilnehmer vor dem Rathaus in Jägerndorf
Begegnungszentrum der deutschen Minderheit in Ratibor-Studen (von links): Publizist Dawid Smolorz(Gleiwitz), Ursel Lamla (Vorsitzende des deutschen Freundschaftskreises), Milan Horazek (Mitglied des BdV-Präsidiums), Seminar- leiter Siegbert Ortmann, Doris Gorgosch (Bezirksvorsitzende des deutschen Freundschaftskreises), Otmar Schmitz (Kulturreferent des BdV-Hessen).
Im Rathaus von Neustadt (von links): Margarete Ziegler-Raschdorf, Bürger- meister Franciszek Fejdych, Siegbert Ortmann