Nachlese
Home Seminare Nachlese Presse Über uns Kontakt © Deutsch-Europäisches Bildungswerk in Hessen, Friedrichstraße 35, 65185 Wiesbaden – 2018

Hessisches "Deutsch-Europäisches Bildungswerk" (DEB) bereist die Regionen Iglau und Brünn / Intensives

Arbeitsprogramm im deutsch-tschechischen Dialog

Seminar "Begegnung und Verständigung" in der Tschechischen Republik

Über das Deutsch-Europäische Bildungswerk in Wiesbaden e.V. besuchte kürzlich eine 25-köpfige Reisegruppe aus Hessen und den Nachbarländern die böhmischen und mährischen Gegenden um Iglau und Brünn in Tschechien. Ziel dieser Seminarreise waren die Begegnungen und Vortragsveranstaltungen mit Kommunalpolitikern, Institutionen deutscher Minderheiten sowie jungen Historikern und Behördenvertretern aus der Tschechischen Republik. Auf dem 5-tägigen Seminarprogramm standen insgesamt 15 Referate mit anschließenden Diskussionen, 5 Besichtigungen von kommunalen und kirchlichen Einrichtungen und Museen sowie 5 Stadtführungen in deutscher Sprache. Auch das im Garten des Augustinerklosters in Altbrünn errichtete Mahnmal über den Anfang des "Brünner Todesmarsches" vom 30. Mai 1945 wurde aufgesucht und im Beisein der Vorsitzenden des örtlichen Deutschen Kulturverbandes Hanna Zakhari ein Blumengebinde mit Schleife niedergelegt. In seiner Gedenkrede ging Seminarleiter Siegbert Ortmann auf dieses menschlich erschütterndste Nachkriegsereignis mit dem Zeitzeugenbericht eines damals 7-jährigen betroffenen Brünner Mädchens besonders ein und forderte von den Nachlebenden aller Nationalitäten, dass den damaligen Opfern in Ehrfurcht gedacht werde mit der unumstößlichen Erkenntnis, dass sich solche schrecklichen Tragödien in Zukunft niemals mehr wiederholen dürften. Die Altstadt von Brünn mit den vielfältigen bedeutenden Kulturgütern aus der mährisch-tschechischen-jüdischen Vergangenheit beeindruckte die Reiseteilnehmer vor allem auch wegen dem erkennbar typisch pulsierenden Leben einer modernen Universitäts- und Kongressstadt. Beim Empfang der deutschen Delegation im Neuen Rathaus dieser Metropole verstand es der Leiter für internationale Beziehungen, Robert Kudelka, die konstruktive Zusammenarbeit mit Deutschland und Europa auf dem Wege der Gesellschaftserneuerung am Beispiel der Stadt Brünn überzeugend darzustellen. Im Begegnungszentrum für die Deutsche Minderheit wurden die auswärtigen Besucher von der herzlichen Gastfreundschaft überrascht und nahmen eine sehr anschauliche Präsentation dieser für die Deutsche Minderheit vor Ort so wichtige Einrichtung und im weiteren Verlauf zwei hoch interessante Vorträge von Dr. Sandra Kreisslova von der Bürgerorganisation Antikomplex und Vlastimil Havlik von der Masaryk-Universität in Brünn entgegen. Zwei Tage zuvor wurde die deutsche Reisegruppe im Rathaus von Iglau durch Oberbürgermeister Jaroslav Vymazahl und einigen Magistratsmitgliedern empfangen. Der Primator stellte seine altehrwürdige Stadt von ihrer Gründung bis in die jetzige Zeit vor und brachte dabei die gemeinsame deutsch- tschechische Geschichte im Zusammenhang mit der ehemaligen deutschen Sprachinsel in Mähren immer wieder sehr deutlich zum Ausdruck. Ganz besonders erfreulich bewertete er auch die nunmehr seit 2002 bestehende Städtepartnerschaft mit der deutschen Stadt Heidenheim a.d. Brenz und konnte in diesem Zusammenhang auch drei Vertreter der Gemeinschaft Iglauer Sprachinsel e.V. mit dem neuen Bundesvorsitzenden Peter Tenschert unter den Seminarteilnehmers begrüßen. Über die Region um Iglau, die Kraj Vysocina, konnte der Abteilungsleiter für Außenbeziehungen Ladislav Seidl mit seinem Referat wertvolle Eindrücke vermitteln, an die sich eine lebhafte Diskussion anschloss. Am vorletzten Seminartag stand schließlich noch eine umfangreiche Stadtführung durch Iglau und der Besuch des Gustav- Mahler-Hauses mit Vorstellung dieses weltberühmten Komponisten und Dirigenten auf dem Tagungsprogramm. Großen Anklang der Teilnehmer fanden die Abstecher in die benachbarten "UNESCO Welt-Kultur-Städte" Teltsch/Telc und Trebitsch/Trebic. Während in Teltsch die Schlossbesichtigung und der hochinteressante Vortrag von Denkmalsdirektor Tomas Vicha im Vordergrund standen, war es in Trebitsch vor allem das "Jüdische Viertel" dieser historischen Stadt und die St. Prokop- Basilika sowie das Schloss mit dem Vysocina-Museum. Mit der Unterbringung während des 5-tägigen Seminars im historischen Gustav-Mahler-Hotel, einem ehemaligen Dominikaner- Kloster in IgIau, waren alle Teilnehmer sehr zufrieden. Im hauseigenen Konferenzsaal fanden ebenfalls Vorträge und Präsentationen statt, darunter die Vorstellung des kürzlich erschienenen Buches "angekommen" durch die Autoren Horst und Marlene Gömbel, die selbst Teilnehmer dieser DEB-Seminarreise waren. Den Abschluß des Tagungsprogramms bildete ein Besuch der "Goldenen Stadt" Prag mit einer Stadtführung durch Eva Dürrova sowie einer "Stippvisite" bei dem Prager Büro der Sudetendeutschen Landsmannschaft mit dem Leiter Peter Barton. Am Ende des bestens organisierten Seminars waren sich die Teilnehmer über die Wichtigkeit derartiger Begegnungen "vor Ort" einig. Aus den zahlreichen Gesprächen nahmen sie die Erkenntnis mit nach Hause, dass die Arbeit "an der Basis" für den weiteren Dialog über die endgültige Beseitigung von Vorurteilen und Missverständnissen im Verhältnis von Tschechen und Deutschen von außerordentlicher Bedeutung ist. Text: Siegbert Ortmann Im August 2014
Gedenken vor dem Mahnmal zur Erinnerung an den "Brünner Todesmarsch" von 1945: Mitte Siegbert Ortmann, links daneben Hanna Zakhari
Seminarteilnehmer besuchen Schloss Teltsch
Schloss Teltsch vom Wasser aus gesehen
Rathausempfang in Brünn mit Siegbert Ortmann (links) und Robert Kudelka (rechts)
Die Seminarteilnehmer bei der Stadtführung in Brünn; im Hintergrund die St.-Peter-und-Paul- Kathedrale
Bilder: Bildungswerk