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Völkerverständigung: Seminar des deutsch-europäischen Bildungswerkes Hessen in Polen und Russland

 

Begegnungen in Kaliningrad und Polessk

BERGSTRASSE. Königsberg oder Kaliningrad - das ist mehr als "nur" Immanuel Kant, auch wenn der Vater des "kategorischen Imperativs" und Verfasser der "Kritik der reinen Vernunft" zu den bedeutendsten Vertretern der abendländischen Philosophie gehört. Und Stettin oder Szczecin ist mehr als "nur" die Hauptstadt der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Und schließlich Polessk, früher Labiau, ist ebenfalls weit mehr als "nur" ein Gebiet in Kaliningrad, im ehemaligen Ostpreußen. Gerade die Beziehungen zu dem russischen Landkreis Polessk sind stark durch den 2009 verstorbenen Heppenheimer Bürger Hans-Ulrich Karalus entstanden und gewachsen, der für diese Region schwerpunktmäßig humanitäre Hilfe mit dem Ziel "Hilfe zur Selbsthilfe" organisierte. Lange Jahre war er Vorsitzender des Vereins "Partnerschaft Ostpreußen" und begeisterte mit seiner Arbeit viele Bürgerinnen und Bürger im Kreis Bergstraße. Die logische Konsequenz daraus war, dass die sehr gute Verbindung und Zusammenarbeit zwischen dem russischen Landkreis und Hans-Ulrich Karalus offiziell mit einer Kooperation "abgesichert" wurde. Im August 2007 erfolgte die Unterzeichnung der Vereinbarung vom damaligen Polessker Landrat Nikolay Schaevko und dem Bergsträßer Landrat Matthias Wilkes. Das deutsch-europäische Bildungswerk Hessen unter seinem Vorsitzenden Georg Stolle, dem früheren Bensheimer Bürgermeister, bit ein Seminar an, an dem 39 Interessierte - davon 18 aus dem Kreis Bergstraße - teilnahmen. Darunter waren Politiker aus dem kommunalen Bereich, Historiker, Vertreter der Mehrheitsnationen, Angehörige der deutschen Minderheit in der jeweiligen Stadt, Vertriebene und interessierte Bürger. Die Diskussionen wurden auch diesmal, so Stolle, auf hoher fachlicher Ebene geführt. Zur Reisegruppe gehörten unter anderem der frühere Kreistagsvorsitzende Heinz-Jürgen Schocke, die frühere Bensheimer Stadtverordnetenvorsteherin Monika Toebe, Vertreter der ostseedeutschen Landsmannschaft wie Brigitte Sattler, Reinhard Sablowski, Klaus Peterson (Bensheim), Martine Rüdinger (Grasellenbach) oder Ewa Redemann, die Beauftragte für Partnerschaften mit Labiau und Schweidnitz. Nach langer Anreise hatte die Gruppe in Stettin am Abend gleich den ersten Termin: Vertreter des deutsch-polnischen Jugendwerkes und des internationalen Dietrich-Bonhoeffer-Studien- und Begegnungszentrums referierten über Kinder- und Jugendprojekte des deutsch-polnischen Jugendwerkes. In Polessk hatte der russische Freundeskreis in die Oberschule eingeladen, wo Schulleiterin Nadezda Tscheschko unter anderem über das "Deutschlandbild der jungen russischen Generation" referierte. Am Nachmittag war die Reisegruppe Gast in der Filiale der St. Petersburger Landwirtschaftlichen Universität. Beim Zusammentreffen mit russischen Kommunalpolitikern, Vertretern von Jugendorganisationen sowie der deutschen Minderheit war auch Landrat Matthias Wilkes dabei, der seine Reise nach Moskau eigens unterbrach und dort neben dem Polessker Landrat Igor Bolsun und Bürgermeister Witalij Gontscharow über die Beziehungen seines Landkreises zu Polessk referierte. Einige weitere interessante Veranstaltungen folgten - unter anderem eine Begegnung in der evangelisch-lutherischen Kirche in Königsberg. Im Garten besuchte man dort den Gedenkstein und gedachte der 30 000 Waisenkinder, die ihre Eltern und auch ihr Leben während des Krieges verloren. Zwei Überlebende gehörten zur Reisegruppe. Für sie war der Besuch besonders berührend und bewegend. In Königsberg fand schließlich auch die Abschlussbegegnung der Reise statt. Für den Reise- und Seminarleiter Georg Stolle wurde deutlich, dass sich die Vertriebenenverbände mehr der Russlanddeutschen annehmen und dabei zukunftsorientiert denken sollten. mül   Bergsträßer Anzeiger, 14. August 2013
Eine Reisegruppe von der Bergstraße, aus Frankfurt und Wiesbaden besuchte im Rahmen eines Seminares des europäischen Bildungswerkes die Schule in Labiau/Polessk. Unser Bild zeigt von links Landrat Matthias Wilkes, Landrat Igor Bolsun, Ewa Redemann sowie Georg Stolle.