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Vertiefung des deutsch-tschechischen Verständigungsprozesses

Unter ausdrücklicher Zielsetzung einer Vertiefung des deutsch- tschechischen Verständigungsprozesses im europäischen Rahmen nahmen rund 40 Teilnehmer aus Hessen und anderen Bundesländern an einem programmintensiven Seminar des Deutsch-Europäischen Bildungswerks Hessen e.V. (Wiesbaden) in Leitmeritz/Litomerice (Tschechien) und Umgebung teil. Die Seminarleitung hatte Georg Stolle, Vorsitzender des Deutsch-Europäischen Bildungswerks und Ehrenbürgermeister der Stadt Bensheim. Dieses Völkerverständigungsseminar wurde vom Bundesministerium des Innern in Berlin zweckgebunden gefördert und verlangt inhaltlich ein Bekenntnis zur europäischen Einigung als gemeinsame Grundlage für die Erhaltung einer freien Lebensart und einer tief verwurzelten Demokratie. Im einzelnen gab es kommunale Begegnungen in Leitmeritz/Litomerice und Teplitz-Schönau/Teplice Sanov mit den jeweiligen Stadtoberhäuptern sowie weiteren tschechischen Referenten, einheimischen Tagesgästen und Vertretern der deutschen Minderheit "vor Ort". Desweiteren wurden die Evangelische Diakonie Theresienstadt/Terezin, das Collegium Bohemicum in Aussig/Usti nad Labem (mit dem von der EU geförderten Dauerausstellungsprojekt "Geschichte der Deutschen in den böhmischen Ländern"), das bischöfliche Gymnasium Mariaschein/Bohosudov mit dessen stv. Direktor Mgr. Jiri Breu und weitere kirchliche Einrichtungen in der Diözese Leitmeritz besucht. Auch das Regionalmuseum von Teplitz-Schönau fand großes Interesse bei den Teilnehmern. Bei einer abendlichen Abschlußveranstaltung im Restaurant "Salva Guarda" in Leitmeritz präsentierten mitgereiste Vertreter des Freundeskreises Fulda-Leitmeritz, unter Leitung seines Vorsitzenden Wolfgang Spiegel (Fulda), ein aktuelles deutsch-tschechisches Jugendprojekt des Freundeskreises und des tschechischen Josefa- Jungmann-Gymnasiums von Leitmeritz. Danach schilderte der frühere Bürgermeister von Leitmeritz, Jiri Landa sehr eindrucksvoll die kommunale Zusammenarbeit zwischen den Partnerstädten Fulda und Leitmeritz nach der Wende als Beitrag zur deutsch-tschechischen Verständigung. Im Rahmen des Seminars suchten die Teilnehmer auch das KZ Theresienstadt und die "Benesbrücke" in Aussig auf und legten dort Blumen nieder. An diesen beiden "Orten des Grauens" fand Reiseteilnehmer Alois Hoffmann (Fulda) von der Ackermanngemeinde einfühlsame und bewegende Worte des Gedenkens. Obwohl für touristische Einlagen das Seminarprogramm eigentlich keine Zeit zuließ, besichtigten die Teilnehmer die Burg Schreckenstein und erlebten sachkundige Stadtführungen in Leitmeritz und Teplitz-Schönau . Als besonderen Höhepunkt empfanden viele Teilnehmer auch den abendlichen katholischen Gottesdienst zu Allerheiligen in der Stadtpfarrkirche von Leitmeritz unter Mitwirkung des Bischofs Jan Baxant, der die deutschen Gäste sogar in deutscher Sprache besonders begrüßte. Bei den einzelnen programmgemäßen Begegnungen und Diskussionsrunden wurde die Pflege der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Tschechen und Deutschen immer wieder besonders hervorgehoben, aber auch auf Schwachstellen in der aktuellen tschechischen Wertegemeinschaft offen hingewiesen. In diesem Zusammenhang kam die Aufarbeitung der Vertreibungsgeschichte der Deutschen aus dem Sudetenland als wichtiger Bestandteil der deutsch- tschechischen Verständigung und Aussöhnung nicht zu kurz. Schicksalswege der nichtvertriebenen Deutschen in der Nachkriegszeit wurden darüberhinaus durch Zeitzeugenberichte erlebnisnah ergänzt. Die tschechischen Stadtoberhäupter Ladislav Chlupac (Leitmeritz) und Jaroslav Kubera (Teplitz-Schönau) wiesen bei ihren lebhaften Städte- Vorstellungen auf den wirtschaftlichen und sozialen Aufbau ihrer Kommunen nach der Wende mit Unterstützung der europäischen Nachbarn, vor allem auch Deutschlands, besonders hin. Von den insgesamt zu Wort gekommenen tschechischen Referenten bei diesem Seminar haben der Leiter der Diakonie Leitmeritz Mgr. Zdenek Barta, der Generalvikar der Diözese Leitmeritz Stanislav Pribyl, der Kurator der Ausstellung Collegium Bohemicum Mgr.Jan Sicha, und der frühere Abgeordnete des Europa-Parlament Dr. Milan Horacek sicherlich nachhaltige Eindrücke bei den meisten Zuhörern hinterlassen. Für den Landesvorsitzenden des Bundes der Vertriebenen in Hessen, Siegbert Ortmann, der sich unter den Seminarteilnehmern befand, wurde die klar vorgegebene Zielsetzung dieser Begegnungsveranstaltung bei unseren tschechischen Nachbarn in Nordböhmen sehr zufriedenstellend erreicht, wofür er sich bei der Seminarleitung ausdrücklich bedankte. Text: Norbert Quaiser; Fotos: Siegbert Ortmann Im November 2013
Die Reisegruppe auf Burg Schreckenstein
Siegbert Ortmann, Dr. Milan Horacek, Dr. Angelika Köster-Lossack (ehem. MdB), Georg Stolle (v.l.)
Georg Stolle (links), der Oberbürgermeister von Teplitz-Schönau, Jaroslav Kubera (Mitte), und Siegbert Ortmann (rechts).
Die Reisegruppe vor dem Rathaus in Teplitz-Schönau
An der Beneschbrücke in Aussig (v.l.): Siegbert Ortmann und Georg Stolle
In der Stadtpfarrkirche Leitmeritz: Bischof Jan Baxant nach dem Gottesdienst vor der deutschen Reisegruppe