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Seminar des Deutsch-Europäischen Bildungswerks in Mährisch-Schönberg (Sumperk)

Von der Patenschaft zur Partnerschaft

Das Deutsch-Europäische Bildungswerk Wiesbaden (Bildungseinrichtung des Landesverbandes Hessen des Bundes der Vertriebenen) bezieht in seine verständigungspolitischen Aktivitäten verstärkt Städtepartnerschaften mit osteuropäischen Kommunen ein. Das letzte Seminar fand in Mährisch-Schönberg (Sumperk) in der Tschechischen Republik statt. Zwischen der hessischen Kurstadt Bad Hersfeld und der Stadt Mährisch-Schönberg /Sumperk) in Mähren besteht eine sehr aktive Städtepartnerschaft. Vor 50 Jahren hatte die Stadt Bad Hersfeld die Patenschaft über Mährisch-Schönberg übernommen. Die Patenschaft mündete in eine Partnerschaft. Wie sich zeigte, bestehen auf der kommunalen Ebene im Gegensatz zu Spitzenpolitikern in der Tschechischen Republik, keine Vorurteile gegenüber den Sudetendeutschen. Der Bürgermeister von Mährisch-Schönberg, Zdenek Broz, begrüßte die Teilnehmer als "deutsche Freunde". Diese Veranstaltung fördere das Kennen lernen. Diese Treffen würden zum gegenseitigen Verstehen mehr beitragen, als Konferenzen von Spitzenpolitikern. Auf die Vergangenheit eingehend, führte der Bürgermeister aus, die Stadt schließe sich an die Tradition der früheren Zeit an, ganz gleich, ob es sich dabei um die deutsche oder um die tschechische Vergangenheit handele. Als zukünftige Aufgabe nannte er, die Stadt als "Tor zum Altvatergebirge" zu einem Touristenzentrum auszubauen. Im wirtschaftlichen Bereich gebe es auch gute Kontakte zu Deutschland. Der größte Investor sei die Firma Siemens. Die Leiterin des Amtes für internationale Beziehung der Stadt Mährisch-Schönberg, Vlasta Vitaskova lobte die gute Zusammenarbeit mit der Partnerstadt Bad Hersfeld. Sie verwies auf sichtbare Erfolge, wie die Sanierung der Klosterkirche sowie die Begegnungen mit den Vereinen. Auch der Bürgermeister von Wiesenberg/Loucna ned Desnoum, Pavel Martinek, stellte die Verbundenheit mit den früheren Einwohnern heraus. So seien die früheren Eigentümer des Schlosses, die Familie Klein von Wiesenberg, wieder an ihrem Schloss durch Aktien beteiligt. Leider gestalte sich die Restaurierung problematisch. Die Stadt werde jedoch den Schlosspark in den früheren Zustand zurückversetzen. Zu Hessen bestehe durch die Partnerschaft mit Linden bei Gießen eine besondere Beziehung. Die Initiative sei von den früheren Einwohnern ausgegangen. Hier nannte er die Familie Klein von Wiesenberg. Bei einem Besuch der Stadt Freiwaldau (Jesenik) blickte der stellvertretende Bürgermeister, Dr. Jiri Strana , auf siebenhundertjährige Geschichte der Stadt zurück, Es habe eine schwere Periode gegeben, auf die er nicht eingehen wolle. "Jetzt ist die Zeit gekommen, wo wir uns ohne Vorurteile an einen Tisch setzen können", erklärte er. Menschen, die ihre Heimat nicht vergessen, schätze er hoch ein. "Wir sehen Sie gerne hier", fügte er an. Mit einer Delegation aus Bad Hersfeld waren als Vertreter des Magistrats der Stadt Bad Hersfeld die Stadträte Karl Ernst Wiechers (SPD) und Günter Exner (CDU) gekommen. Stadtrat Exner unterstrich ganz besonders die intensiven Beziehungen beider Städte durch die Partnerschaft. Sie lebe davon, dass Menschen sich zusammenfinden. Das gelte besonders für das zusammenwachsende Europa. Seminarleiter Hartmut Saenger bezeichnete das Deutsch-Europäische Bildungswerks als ein Forum des Dialogs. Es komme darauf an, Heimatvertriebebene, Angehörige der deutschen Minderheit und die jetzigen Bewohner der Heimatgebiete der Vertriebenen zu einem Dialog zusammenzubringen. Städtepartnerschaften eigneten sich hervorragend dazu. So habe das Deutsch-europäische Bildungswerk schon über 100 verständigungspolitische Seminare durchgeführt. Dabei werden die deutsche Minderheit und die Jugend eingebunden. Stadtrat Karl Ernst Wiechers, Vorsitzender der Gesellschaft der deutsch-tschechischen Begegnung Sumperk/Mährisch- Schönberg, stellte die Gesellschaft vor und referierte über deren Aktivitäten. Dabei hob er hervor, dass die Patenschaft ein wichtiger Bestandteil der Partnerschaft bleibt. Die Initiative zu einer Partnerschaft ging von der tschechischen Seite aus. Der Heimatkreis habe diese Initiative mit unterstützt. Nach der Satzung seien das Ziel der Gesellschaft, der Aufbau der Beziehungen zur Partnerstadt sowie die Unterstützung der deutschen Minderheit. Die Stadt Bad Hersfeld organisiere mit der Gesellschaft unter Einbeziehung des Heimatkreises ein Heimattreffen, zu dem Einheimische, Bürger von Mährisch-Schönberg und Heimatverbliebene eingeladen werden. Karl Erst Wiechert ist ein aktiver Förderer der deutsch-tschechischen Beziehungen. Dabei setzt er sich auch für die deutsche Minderheit ein. Die Schülerinnen und Schüler der Grundschule Nr. 3 in Mährisch Schönberg hatten sich bei dem Besuch der Teilnehmer des Seminars ganz auf Europa eingestellt. Jede der vier Gruppen trug in einer europäischen Sprache vor. Die dritte Gruppe, die "Deutschgruppe", brachte deutsche Gedichte und Lieder. Mit einer Parodie zielten die Schüler auf den Schulalltag. Der Direktor der Schule, Radovan Pavelka, ging auf die deutsche Vergangenheit der Schule ein. Nach den Zweiten Weltkrieg sei das Gebäude von der Roten Armee in Anspruch genommen worden. Dort wurden Angehörige der ukrainischen Befreiungsarmee inhaftiert. Die Beziehung der Schule zur deutschen Vergangenheit zeigt sich auch durch die Bilder von der früheren deutschen Stadt Mährisch-Schönberg, die im Treppenhaus aushängen. Einen Einblick in die Wirtschaft der Stadt gab Manfred Merbach, Vorsitzender der Heimatgruppe Mährisch-Schönberg, Frankfurt am Main. Er hatte drei mittelständische Betreibe aus Mährisch-Schönberg und Umgebung besucht. Ein Unternehmen produziert Edelstahlprodukte für Lebensmittelmaschinen, die zu 90 Prozent nach Deutschland exportiert werden. Ein weiteres Unternehmen hat sich auf Bau von Wagen, die zum Transport von Brennöfen verwendet werden, spezialisiert. Beide Unternehmen hätten hier eine Nische, ohne ausländische Konkurrenz, entdeckt. Bei einem Druckereibetrieb sei das jedoch nicht der Fall, da im Druckereigewerbe in Deutschland Überkapazitäten beständen. Bei einer Besichtigung der Druckerei erklärte der Inhaber, Großaufträge könne sein Betrieb nicht preisgünstiger ausführen als Großdruckereien in Deutschland. Bei Kleinaufträgen unterbiete er jedoch den Preis. So erhalte er auch Aufträge aus Deutschland. Bei allen Unternehmen sind wichtige Kriterien, die Qualität und die pünktliche Einhaltung der Lieferfristen. Auch der kirchliche Bereich wurde beleuchtet. So berichtete der stellvertretende Bürgermeister von Mährisch-Schönberg, Petr Suchomel, über die Beziehungen zur Ackermanngemeinde und zur katholischen Kirchengemeinde in Würzburg. Seit 1995 habe es über 500 solcher Begegnungen gegeben. Es fände ein reger Kulturaustausch statt. Besonders lobend erwähnte die die Hilfe von Würzburg bei der Überschwemmungskatastrophe im Jahre 1997. Zu den Höhepunkten des Seminars zählte der Besuch eines Konzerts des Jugendchores "Die Schmetterlinge" (Motyli) in der Klosterkirche von Mährisch-Schönberg. Der Chor zählt zur Spitzenklasse. Die glasklaren, geschulten Stimmen der Kinder ließen die Zuhörer in eine höhere Sphäre schweben. Die deutsche Minderheit war auch in das Seminar eingebunden. Diesbezüglich wird auf den weiteren Bericht  verwiesen. Adolf Wolf Oktober 2008
Das Rathaus von Mährisch-Schönberg
Empfang im Rathaus von Mährisch Schönberg (von links): Bürgermeister Zdenek Broz, Dolmetscher Josef Seidenglanz, Stadtrat Günter Exner, Stadtrat Karl Ernst Wiechers, Seminar- leiter Hartmut Saenger und Manfred Merbach
Die Schüler der Schule Nr. 3 in Mährisch-Schönberg brachten Darbietungen in deutscher Sprache
Der Chor "Die Schmetterlinge" ließ die Zuhörer in eine andere Sphäre schweben
Bilder: Bildungswerk