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Seminar des Deutsch-Europäischen Bildungswerks in Schlesien

Deutsche sind in Polen willkommen

Durch die Äußerungen des neu gewählten polnischen Präsidenten Lech Kaczynski im Verhältnis zu Deutschland ist es zu Irritationen gekommen. Besonderes Angriffsziel war das geplante Zentrum gegen Vertreibungen in Berlin. Auch heizte er die Stimmung auf, als er im Wahlkampf an die Öffentlichkeit brachte, der Großvater des Gegenkandidaten Donald Tusk sei im Zweiten Weltkrieg bei der deutschen Wehrmacht gewesen. Auch brachte Kaczynksi Milliardenforderungen gegen Deutschland wegen der Zerstörung Warschaus während des Zweiten Weltkriegs ins Spiel. Nach der Präsidentenwahl führte das Deutsch-Europäische Bildungswerk, Wiesbaden (Bildungseinrichtung des Landesverbandes Hessen den Bundes der Vertriebenen) in Zusammenarbeit mit der Landesgruppe Hessen der Landsmannschaft Schlesien auf Schloss Lomnitz/Lomnica in Niederschlesien ein verständigungspolitisches Seminar durch. Im Hinblick auf die geschürten Emotionen gegen Deutschland waren die Teilnehmer, überwiegend Vertriebene aus Schlesien, sehr gespannt wie sie aufgenommen werden würden. Bei den polnischen Teilnehmer war keine Ressentiments gegenüber Deutschen zu spüren. Die Gäste wurden willkommen geheißen. Auch wurde auf die deutsche Vergangenheit Schlesien hingewiesen und gefordert, dass die deutschen Kulturgüter erhalten bleiben müssen.

Kommunisten verfälschten die Geschichte

Bei einem Besuch Breslaus/Wroclaw begrüßte die Vertreterin der Stadt Breslau/Wroclaw Monika Sochacka die Seminarteilnehmer. Sie stellte die gemeinsame Heimat der vertriebenen Breslauer und der heute in Breslau lebenden Menschen heraus. Sie rief dazu auf, zu Deutschland Brücken zu bauen und die Begegnungen zu intensivieren. Die Politik der Stadt Breslau zu den Vertriebenen bezeichnete Frau Sochacka als offen. Auch gebe es mit dem deutschen Namen keine Probleme. So werde beim Schriftverkehr mit Deutschland der deutsche Name Breslau gebraucht. Bei seinem Vortrag im Rathaus von Breslau räumte der Direktor der Museen der Stadt Breslau, Dr. Maciej Lagiewski, mit der von den Kommunisten verbreiteten Geschichtsfälschung auf, die heutigen polnischen Westgebiete seien schon immer polnisch gewesen. Nach seiner Meinung bestehe keine Gefahr, dass die vertriebenen Deutschen den Willen hätten zurückzukehren und ihr Eigentum zurückzuerhalten wollten. Vielmehr strebten sie an, "dass das Stück Erde Breslau als ihre Heimat anerkannt werde". Dr. Lagiewski lobte die deutsche Hilfe bei dem Hochwasser in Breslau. Zur deutschen Vergangenheit Schlesien bemerkte er, seit 15 Jahre werde in Schlesien an der Erhaltung der deutschen Kulturgüter gearbeitet. Als besonders wichtige bezeichnete er, dass die kulturelle Vergangenheit Schlesiens erhalten bleibe.

Bei der jungen Generation steht die Zukunft im Mittelpunkt

Einen Einblick in das Kulturleben Schlesiens vor dem Zweiten Weltkrieg erhielten die Teilnehmer des Seminars bei dem Besuch des Gerhart Hauptmann Hauses in Agnetendorf/Jagniatkow. Dort fand gleichzeitig ein Kolloquium mit polnischen Germanistikstudenten statt. In der Diskussion waren keine Vorurteile gegen die vertriebenen Deutschen zu spüren. Es herrschte die einhellige Meinung, die gemeinsame Vergangenheit dürfe nicht unterschlagen werden, sie stehe aber nicht im Vordergrund. Vielmehr komme es darauf an, positiv in die Zukunft zu blicken, um ein gemeinsames Europa aufzubauen.

Auf fachlicher Ebene wird in Polen über die Vertreibung offen diskutiert

Als ein hervorragender Kenner der Verhältnisse in Polen erwies sich der Verleger Alfred Theisen, der in Schlesien die Zeitschrift "Schlesien heute" und die Zeitung "Oberschlesien" herausgibt. Obwohl seine Publikationen kritisch berichteten, habe er keine Schikane durch Polen erlebt. Die Geschichte werde in Polen auf der fachlichen Ebene offen diskutiert und die Vertreibung der Deutschen dokumentiert. Es herrsche auf der unteren Ebene eine positive Stimmung gegenüber Deutschen. Die Stimmung gegen Deutschland sei im Präsidentenwahlkampf angeheizt worden. Dem Wahlsieger hätten überwiegend Wähler im östlichen Polen ihre Stimme gegeben, wo bittere Armut herrsche. Als eine brillante Kennerin der Verhältnisse in Polen nahm auch die frühere Leiterin des deutschen Konsulats in Oppeln, Ingeborg Gräfin von Pfeil, an dem Seminar teil. Sie stellte in einem Gespräch das gute und herzliche Verhältnis zwischen Deutschen und Polen auf der Ebene von Mensch zu Mensch heraus. Gräfin von Pfeil wohnt in der Wojewodschaft Breslau. Sie konnte nach dem Präsidentenwahlkampf in Schlesien keinen Umschwung der Stimmung auf die negative Seite gegenüber Deutschen feststellen. Auch ein sensibles Thema wurde bei dem Seminar angesprochen. Der Referent für Öffentlichkeitsarbeit des Landesverbandes Hessen des Bundes der Vertriebenen, Adolf Wolf, referierte über "Flucht und Vertreibung- Aufnahme in Hessen". Die polnischen Teilnehmer waren betroffen von der damaligen Notlage der Vertriebenen. Diese damals fast unlösbar scheinenden Probleme sind in Polen nicht bekannt, wie sich aus Gesprächen ergab. Es müsse darüber gesprochen werden, war die einhellige Meinung. Joseph Pietsch, Landesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien in Hessen, setzte sich in seinem Vortrag mit dem Schicksalsweg der Heiligen Hedwig auseinander. Er bezeichnete die Heilige als eine Mittlerin zwischen Ost und West. Pastor Edwin Pech von der evangelischen Gemeinde in Krumhübel/Karpacz berichtete von den Schwierigkeiten, die evangelische Christen in Polen während der kommunistischen Zeit hatten. Nach der Wende hätten sich die Kontakte zu Deutschland intensiviert. Als weitere Aufgabe nannte er, die Aktivitäten bei der Pflege der deutschen Friedhöfe zu aktivieren.

Noch bestehende Vorurteile müssen abgebaut werden

Prof. Dr. Marian Arndt vom Franziskaner-Orden stellte den Begriff Frieden im biblischen Sinn dar. Frieden könne nur eintreten, wenn der Mensch mit sich selbst, mit der Natur und mit Gott in Harmonie lebe. Dieser Grundsatz gelte für das Zusammenleben der Menschen und der Völker. Die Völker müssten sich gegenseitig achten und es müsse Brüderlichkeit gepflegt werden. Das Seminar fand auch das Interesse des polnischen Fernsehens. Bei einem Interview stellte der Vorsitzende des Deutsch- Europäischen Bildungswerks und Seminarleiter, Hartmut Saenger, die Zielsetzung der Seminare heraus. Wichtig sei, unter Einbeziehung der deutschen Minderheit in Polen Vorurteile auszuräumen und ein friedliches Zusammenleben zu sichern. Adolf Wolf
Die Seminarteilnehmer
Bilder: Bildungswerk