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Seminar des Deutsch-Europäischen Bildungswerks in Niederschlesien

Die deutsche Minderheit in Schlesien

Bei dem letzten Seminar des Deutsch-Europäischen Bildungswerks Wiesbaden (Bildungseinrichtung des Bundes der Vertriebenen, Landesverband Hessen) in Niederschlesien war auch die deutsche Minderheit mit eingebunden. Die Vertreter der Deutschen in Niederschlesien hatten Gelegenheit über ihre Lage zu berichten. Wie die Vorsitzende des Deutschen-christlichen Riesengebirgsvereins Hirschberg/Jelenia Gora Frau Johanna Kowalewska ausführte, wurde der Verein vor 10 Jahren gegründet. Er habe zum Ziel, die deutsche Kultur und die deutsche Sprache zu erhalten. Das Verhältnis zu der polnischen Bevölkerung bezeichnete sie als frei von Vorurteilen. Der Verein der sozial-kulturellen Gesellschaft in Breslau/Wroclaw konnte mit Unterstützung der Bundesregierung ein Haus in Breslau erwerben. Die Teilnehmer an dem Seminar wurden dort von dem Vorsitzenden und Mitgliedern dieses Vereins empfangen. Der Vorsitzende des Vereins, Friedrich Petrach, gab einen Überlblick über die Lage der Deutschen in Schlesien seit Ende des Zweiten Weltkrieges. So seien etwa 110.000 Deutschen nicht vertrieben worden. Es handelte sich dabei um Bergarbeiter, die im Bergbau gebraucht wurden. Wie Friedrich Petrach berichtete, wurde die Deutsche sozial-kulturelle Gesellschaft bereits im Jahre 1950 gegründet. Es habe eine deutsche Zeitung, die "Arbeiterstimme" herausgegeben werden können. Die Regierung der DDR unterstützte damals die deutsche Minderheit und bot den Deutschen die Staatsangehörigkeit der DDR an. Viele hätten davon Gebrauch gemacht. Das Konsulat der DDR leistete Unterstützung, wenn es Probleme mit den polnischen Behörden gab, fuhr Petrach fort. Erst 1991 sei es möglich gewesen, deutsche Vereine in Schlesien zu gründen. Der Dachverband der Deutschen in Schlesien habe etwa 300.000 Mitglieder. Heute gebe es keine Probleme mit polnischen Mitbürgern, resümierte Friedrich Petrach. In Liegnitz/Legnica waren die Teilnehmer des Seminars Gast bei der Deutschen-sozial-kulturellen Gesellschaft. Der Vorsitzende, Jürgen Gretschel, verwies einleitend auf die schwere Zeit während des Zweiten Weltkriegs und danach. Während des Krieges sei ein Teil der Einwohner von Liegnitz evakuiert worden. Bei der Eroberung von Liegnitz durch die Rote Armee gab es etwa 25.000 Opfer. Gretschel berichtete von Erschießungen , Vergewaltigungen und Selbstmorden. 15.000 Deutsche aus Liegnitz wurden in ein Dorf in der Nähe der Stadt umgesiedelt. Nach den Ausführungen von Jürgen Gretschel herrschten dort chaotische Verhältnisse. Auch habe es Übergriffe von Polen gegenüber Deutschen gegeben. Sowjetische Soldaten nahmen Deutsche in Schutz. Auch verhinderten sie wilde Vertreibungen von Deutschen. Die Vertreibungsmaßnahmen waren 1947 abgeschlossen, erst 1957 hätten sich die Verhältnisse normalisiert, fuhr Gretschel fort. Liegnitz bezeichnete Gretschel als die gemeinsame Heimat von Deutschen und der dort lebenden Bevölkerung. Er rief dazu auf, die deutsche Kultur zu erhalten, das könne jedoch nur mit Hilfe der in Deutschland lebenden Landsleute geschehen. Über die Lage der einzelnen Minderheiten in Liegnitz referierte der Direktor bei der Stadtveraltung Liegnitz über Kultur, Schulwesen und Minderheiten, Mgr. Krysztof Kostrzanowski. Er überbrachte die Grüße des Oberbürgermeisters der Stadt. Nach der Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg hätte sich die Struktur der Stadt Liegnitz völlig verändert. Heute würden in der ehemals deutschen Stadt noch etwa 100 Deutsche leben. Die übrigen Einwohner seien Polen aus den polnischen Ostgebieten, aus der Ukraine, aus Weißrussland und aus Litauen. Jetzt komme es darauf an, dass sich die Menschen mit der Stadt identifizierten und Liegnitz als ihre Heimat anerkennen würden. Das Heimatgefühl müsse gefördert werden. Kostrzanowski trat weiter für eine Verständigung mit den westlichen Nachbarn ein. Als einen richtigen Weg sah er die Kontakte durch Partnerschaften mit deutschen Städten an. In diesem Zusammenhang verwies er auf die Partnerschaft mit Wuppertal, in der auch die Vertriebenen aus Liegnitz eingebunden seien. Bei dem Seminar traten auch Jugendgruppen der deutschen Minderheit in Niederschlesien auf. Die Gruppe "Goldener Löwe" und die Gruppe des Freundschaftskreises Rübezahl aus Landeshut brachten Darbietungen. Adolf Wolf
Die Tanzgruppe des Freundschaftskreises "Rübezahl" aus Landeshut
Bilder: Bildungswerk