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Deutsch-Europäisches Bildungswerk: Seminarfahrt nach Oberschlesien brachte viele eindrucksvolle Begegnungen im

Dienste der Völkerverständigung

 

Deutsch-polnischen Dialog weiterführen

BERGSTRASSE. Vier Höhepunkte erlebten die 30 Teilnehmer aus Bensheim, Heppenheim, Frankfurt, Wiesbaden und dem oberhessischen Raum bei einem Seminar, das in Oberschlesien abgehalten wurde. Das berichtete der Vorsitzende des Deutsch- Europäischen Bildungswerk in Hessen (DEB), Georg Stolle. Das Ziel - nämlich die Vertiefung des deutsch-polnischen Verständigungsprozesses im europäischen Rahmen - wurde erreicht, so der frühere Bensheimer Bürgermeister. In zahlreichen Einzelveranstaltungen mit Referaten bekannter Professorinnen und Professoren kam es zu vielfältigen Begegnungen von Mensch zu Mensch im Dienste der Verständigung im gemeinsamen Europa. Völkerverständigung wurde aber auch groß geschrieben, unter anderem im Bürgermeisteramt in Zdzieszowice (Deschowitz) bei einem großen Auftritt des Chores der Deutschen Minderheit aus dieser Region, und während eines Besuchs in der bilingualen Schule und Kindertagesstätte in Januszkowice.

Erinnerung an Dieter Przewdzing

In Deschowitz erinnerte die amtierende Bürgermeisterin Sybila Zimerman an ihren Vorgänger, den deutschstämmigen Politiker Dieter Przewdzing, der fast vierzig Jahre lang - von 1976 bis 2014 - die Stadt und Gemeinde leitete. Er war bis zur politischen Wende 1989 als Vertreter der polnisch vereinigten Arbeiterpartei, der administrativ ernannte Gemeindevorsteher und nach der Wiederherstellung der Gemeindeverfassung im Jahr 1990 bis zu seinem Tod Bürgermeister. Przewdzing weilte oft in Bensheim und hatte ein besonderes Vertrauensverhältnis zum damaligen Bensheimer Bürgermeister Georg Stolle. Er gewann fünfmal die Bürgermeisterwahlen in der ersten Wahlrunde und war damit der am längsten amtierende Bürgermeister in Polen. In seinen letzten Lebensjahren engagierte sich Przewdzing für die Stärkung der wirtschaftlichen Selbstständigkeit der oberschlesischen Gemeinden und wurde deswegen überregional bekannt. Am 18. Februar 2014 wurde er von Unbekannten ermordet. Am Grabe legten die Seminarteilnehmer zum Gedenken ein Blumengebinde nieder. Ein weiterer Höhepunkt des Seminars war der Besuch der Basilika auf dem St. Annaberg, wo im dortigen Pilgerheim Prof. Dr. Andrzej Hanich vom Schlesischen Institut in Oppeln die 500-jährige Geschichte dieser bekannten kirchlichen Kulturstätte im "Dienste für die deutsch-polnische Verständigung im christlichen Geiste" sehr anschaulich vortrug. Ein Wiedersehen mit dem Franziskaner-Kloster feierte auch der in Bensheim wirkende Pater Manfred Gruber, der nicht nur am Seminar teilnahm, sondern auch wertvolle Dolmetscherdienste leistete.

Erzbischof als Brückenbauer

Einen ganz besonderen Höhepunkt, so Georg Stolle, bildete aber das Treffen mit dem emeritierten Oppelner Erzbischof Dr. Alfons Nossol im wiedererstellten Schloss von Groß-Stein. Mit einer sehr einfühlsamen und herzlichen Ansprache bewies dieser hohe Würdenträger aus Oberschlesien einmal mehr sein unerschütterliches Streben nach deutsch-polnischer Versöhnung und Verständigung. Alfons Nossol gilt als gebürtiger Oberschlesier seit Jahrzehnten als Brückenbauer zwischen Polen und Deutschland sowie als Mittler zwischen den Konfessionen. Im Jahr 1980 ermöglichte Nossol dem damaligen Augsburger Bischof Josef Stimpfle, die erste deutsche Predigt seit dem Zweiten Weltkrieg auf dem oberschlesischen St. Annaberg zu halten. Im Juni 1989 feierte er dort trotz polnischer Vorbehalte selbst einen deutschsprachigen Gottesdienst und führte solche Gottesdienste in seiner Diözese ein. Im November 1989 nahmen auf Initiative Nossols Bundeskanzler Helmut Kohl und der polnische Ministerpräsident Tadeusz Mazowiecki an einem von Nossol gefeierten Versöhnungsgottesdienst in Kreisau teil. Dort hatte sich der zivile Widerstand gegen Hitler um Helmuth James Graf von Moltke mehrfach getroffen.

Kampf gegen Vorurteile

Der Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen (BdV) in Hessen, Siegbert Ortmann (Lauterbach), der ebenfalls dem Seminarteilnehmerkreis angehörte, nahm die Gelegenheit wahr, dem Erzbischof in Würdigung und Anerkennung besonderer Leistungen für die aus ihrer Heimat Oberschlesien nach dem 2.Weltkrieg geflüchteten und Vertriebenen Deutschen die Verdienstmedaille des BdV Hessen zu verleihen. Darüber freute sich der Ausgezeichnete, der eine Schwester in Hanau hat, auch ganz besonders. Am Ende des umfangreichen, bestens organisierten Seminars waren sich alle Teilnehmer zusammen mit den eingeladenen oberschlesischen Freunden bei der Abschlussbegegnung im Hotel "Palac Lucja" darüber einig, dass derartige Begegnungen "für ein zukünftiges Leben miteinander und in Europa füreinander" besonders dienlich sind - und für den weiteren Dialog über die endgültige Beseitigung von Vorurteilen und Missverständnissen im Verhältnis zwischen Polen und Deutschen wiederholt werden sollte. mül   Bergsträßer Anzeiger, 2. Juli 2014
Höhepunkt des von Georg Stolle organisierten Seminars in Oberschlesien war der Besuch beim früheren Erzbischof Professor Dr. Alfons Nossol. Unser Bild zeigt von links Georg Stolle, den früheren Erzbischof von Oppeln, Alfons Nossol, sowie Siegbert Ortmann vom Deutsch-Europäischen Bildungswerk in Hessen.