Nachlese
Home Seminare Nachlese Presse Über uns Kontakt © Deutsch-Europäisches Bildungswerk in Hessen, Friedrichstraße 35, 65185 Wiesbaden – 2018

DEB-Seminarreise nach Slowenien brachte es an den Tag:

Mehr Engagement der deutschsprachigen Volksgruppe von Nöten

Beim Thema „deutschsprachiger  Minderheitenschutz“ bestehen im EU-  Land Slowenien weiterhin erhebliche  Ressentiments bei der Bevölkerung und  vor allem den offiziellen Stellen in der  Gesellschaft. Dabei dürfte der Zweite  Weltkrieg und die danach erfolgte fast  vollständig erfolgte Vertreibung der im  ehemaligen Jugoslawien lebenden  Deutschen eine nicht unerhebliche Rolle  spielen. Und dies erfuhr auch eine 36-  köpfige Gruppe aus allen Teilen der  Bundesrepublik Deutschland, die  kürzlich mit dem Deutsch-Europäischen-  Bildungswerk Hessen e.V. (DEB) eine  äußerst interessante Seminarreise nach  Ljubljana/Laibach und Umgebung aus  der Reihe “Begegnung und  Verständigung im gemeinsamen  europäischen Haus“ unternahmen.  Veranstaltungen dieser Art werden vom  Bundesministerium des Inneren in Berlin  gefördert und vom DEB seit vielen  Jahren in die Länder der ehemaligen  deutschen Siedlungsgebiete mit viel  Erfolg durchgeführt. Nun wurde erstmals das südosteuropäische Land Slowenien aufgesucht, das übrigens seit 2004 der  Europäischen Union als Mitglied angehört und seit 2007 den EURO als Währung hat. Der Landesvorsitzende des  Bundes der Vertriebenen (BdV) in Hessen, Siegbert Ortmann (Lauterbach), der auch Initiator und Leiter dieses  einwöchigen verständigungspolitischen Seminars war, hatte gerade dieses Reiseziel ausgesucht, um vor Ort die  vorhandene Problematik der heutigen deutschsprachigen Gemeinschaft in Slowenien mit 3000 bis 5000 Angehörigen  genauer zu erkunden.  Die Veranstaltung begann mit den Statements des Vertreters des Auswärtigen  Amts von Slowenien, Miran Kresal, des Kulturattaches der deutschen  Botschaft Peter Lange sowie der Geschäftsführerin der Deutsch Slowenischen  IHK, Gertrut Rantzen. Dabei wurde einhellig klargestellt, dass die bilateralen  politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik  und Slowenien momentan sehr gut sind. Und davon konnten sich die  Seminarteilnehmer bei einer wenige Tage späteren Besichtigung des großen  Adria-Hafen in Capodistria/Koper, auch als „slowenisches Fenster in die weite  Welt“ genannt, augenscheinlich überzeugen. Dort werden u.a. ständig große  Mengen von aus Deutschland angelieferten Produkten bis zu ihrer weltweiten  Verschiffung gelagert.   Bei den an den Folgetagen durchgeführten Rathausempfängen und  Stadtbesichtigungen in Laibach, Cilli, Maribor, Bled und Piran wurden sehr  häufig historische Relikte aus der Jahrhunderte langen deutschsprachigen  Vergangenheit dieser Region deutlich, doch vermeintliche gegenwärtige  Probleme mit einer deutschsprachigen Minderheit in Slowenien wurden  zumindest von offizieller Seite daraus nicht abgeleitet. Im Gegenteil, von dem  Bürgermeister in Celje/Cilli, Bojan Srot wurde bei einem im Übrigen sehr  angenehmen und herzlichen Empfang im Rathaus auf Nachfrage eines  Seminarteilnehmers kurzerhand darauf verwiesen, dass es eine  deutschsprachige Minderheit zumindest in seiner Stadt gar nicht gebe. Ganz  anders äußerten sich dann aber bei Begegnungen in den Kulturzentren in  Maribor und Krapflern die dortigen Vertreter der deutschsprachigen  Volksgruppe   und der sog.   Gottscheer Deutschen. Ihre deutschen Kulturvereine setzen sich seit vielen Jahren auf  der Grundlage von Versöhnung und Verständigung gemeinsam für die Anerkennung der Deutschen als autochthone  Volksgruppen in der slowenischen Verfassung ein und organisieren in den Vereinsräumen mit ihren Angehörigen ein  überaus reges gesellschaftliches  Leben, vor allem auch mit Kindern und  Jugendlichen. Und durch zahlreiche  Publikationen schaffen diese Vereine  darüber hinaus auch ein größeres  Bewusstsein über die  außerordentlichen deutschen  Errungenschaften auf dem Gebiet der  Kultur in der Vergangenheit bei der  slowenischen Mehrheitsbevölkerung  und damit sogar eine gewisse  Anerkennung der deutschsprachigen  Bewohner bei der aktuellen  Landesentwicklung.   Die Vorsitzende des Kulturvereins der  deutschsprachigen Frauen BRÜCKEN,  Veronika Haring, (Maribor) führte dazu  in einem sehr anschaulichen und recht  emotionalen Vortrag  über die heutige  Lage der Deutschen Minderheit in  Slowenien u.a. wörtlich aus: “Leider gibt  es immer noch Menschen, die den  deutschsprachigen Bewohnern  hierzulande feindlich gesinnt sind, doch  es werden mit jedem Tag weniger und es überwiegt die Meinung, dass es sich dabei um eine kulturell ungebildete und  ideologisch verblendete Minderheit handelt. Meiner Überzeugung nach befinden wir uns mit unserer Tätigkeit auf dem  richtigen Weg, der auch der kürzeste ist zu der rechtlichen Anerkennung der deutschsprachigen Minderheit seitens der  Republik Slowenien“.   In einem äußerst interessanten Koreferat mit Prof. Dr.  Miran Komac, von der Fakultät für Sozialwissenschaften an  der Universität Ljubljana, und Rechtsanwalt Mag. Rudolf  Vouk als Vertreter der slowenischen Minderheit in Kärnten  ging es vor allem um das Thema „Minderheiten als Brücke  zur Verständigung zwischen den Völkern“. Dabei wurde am  Beispiel der Europäischen Charta der Regional- oder  Minderheitensprachen von 1998 deren unterschiedliche  Umsetzung in Österreich und Slowenien verständlich  herausgearbeitet und mit den Seminarteilnehmern lebhaft  diskutiert. Unterstützt wurde diese Veranstaltung, wie  übrigens das gesamte Wochenprogramm von dem  Politikwissenschaftler und freien Mitarbeiter von Socialna  akademija, Mario Plesej, der dankenswerterweise zum Teil  auch als Dolmetscher fungierte und im Übrigen in seiner  Art der Kommunikation ein Gewinn für den  ganzen  Seminarverlauf war.   Die dunkle Geschichte und Erinnerungskultur im 20. Jahrhundert wurde den deutschen Seminarteilnehmern beim  Besuch des Museums der neueren Geschichte Sloweniens in Laibach  und der Besichtigung der sehr versteckt  gelegenen Partisanengedenkstätte „Baza 20“ in den ausgedehnten Waldungen der hohen Berge oberhalb des Kurortes  Toplice/Töplitz in der historischen Region der Gottscheer augenscheinlich näher gebracht. Und auch die Begegnung mit  dem Verein der Vertriebenen Sloweniens 1941 – 1945 ließ noch heute  vorhandene Wunden bei den Opfern der deutschen Besatzungsmacht aus  jener Zeit erkennen und die Vorsitzende Prof. Ivica Znidarsic     bat dafür um  Verständnis bei ihren Zuhörern nach ihrem Referat  „Organisiertheit der  slowenischen Vertriebenen und Zwangsarbeiter und die Bestrebungen zur  Geltendmachung der Rechte auf Kriegsentschädigung“.    Beim Abschluss des Seminars anlässlich eines Empfangs  im Rathaus von  Piran/Pirano ging der dortige Bürgermeister Peter Bossmann, der sich schon  wegen seiner schwarzen Hautfarbe als ehemaliger westafrikanischer Migrant  outete, u.a. auf die Lage der italienischen Minderheit und das  zivilgesellschaftliche Leben  in seiner multikulturellen Stadt ein und verriet auf  Nachfrage zur deutschsprachigen Minderheitenpolitik in Slowenien einen  wohlgemeinten überaus treffenden Vorschlag, wonach sich nämlich die  Vertreter dieser Volksgruppe doch engagierter (!) für ihr Anliegen einsetzen  sollten. Auf der Rückreise nach Deutschland dankte die Teilnehmerin Dr. Maria  Werthan, auch Präsidentin des Frauenverbandes im Bund der Vertriebenen in  Deutschland, in aller Namen dem Seminarleiter Siegbert Ortmann und den  begleitenden BdV-Mitarbeitern Jolanta Lemm und Hubert Leja von der BdV-  Landesgeschäftsstelle in Wiesbaden für die bestens organisierte und  problemlos durchgeführte Bildungsreise in ein mehr oder weniger bekanntes  EU-Land mit der vorgegebenen Minderheitenproblematik und allen  Teilnehmern darüber hinaus für das angenehme und äußerst disziplinierte  Miteinander während des gesamten Aufenthalts in Slowenien.  Oktober 2017 Text: Siegbert Ortmann Bilder: Michael Gediga 
Die gesamte Reisegruppe bei der Stadtbesichtigung in Ljubljana/Laibach
Veronika Haring  bei ihrem Vortrag
Seminarteilnehmer im Partisanenlager „Baza 20“
Professor Miran Komac und Rechtsanwalt Rudolf Vouk beim Koreferat
Bürgermeister Peter Bossmann in Piran mit Dolmetscherin und Seminarleiter