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Viele Eindrücke beim Auslandsseminar des Deutsch-Europäischen Bildungswerk e.V.

Beispielhaftes Zusammenleben der Nationalitäten in Ungarn

Wiesbaden/Mohacs: Ganz im Zeichen deutsch-ungarischen und deutsch-kroatischen Begegnungen als Grundlage für die Stärkung der europäischen Verständigungskultur stand ein kürzlich vom Deutsch-Europäischen Bildungswerk e.V., einer Einrichtung des Bundes der Vertriebenen in Hessen, durchgeführtes Seminar in Südungarn nahe der kroatischen Grenze. Die 33 Teilnehmer aus ganz Hessen, darunter auch der BdV-Landesvorsitzende Siegbert Ortmann (Lauterbach) erlebten eine Informationsveranstaltung auf sehr hohen Niveau mit bestimmt nachhaltiger Wirkung bei allen. Den Rahmen des umfangreichen Programms bildeten zum einen Empfänge und Diskussionsforen mit der örtlichen ungarischen und kroatischen Politprominenz bis hin zu Parlamentsabgeordneten aus Budapest und Vertretern der christlichen Kirchen. Zum anderen kam es aber auch zu Begegnungen mit Vertretern der deutschen Minderheit vor Ort und Besuchen deren Heimatmuseen sowie stimmungsvollen Folkloreveranstaltungen mit geradezu liebevollen Darstellungen des überlieferten Brauchtums und alter Erinnerungsgegenstände der Ungarndeutschen. All dies wurde begleitet von Mitgliedern zweier Freundeskreise, die seit nunmehr 25 Jahren eine Städtepartnerschaft zwischen der Stadt Bensheim an der hessischen Bergstraße und der südungarischen Vielvölkerstadt Mohacs sehr intensiv pflegen. Wie ein roter Faden zog sich durch alle Seminarveranstaltungen die Geschichte und Kultur der sog. Donauschwaben, die vor rund 350 Jahren von deutschen Regionen aus die Gegend um die ungarische Stadt Mohacs besiedelten. Übrigens stammten auch aus der Gegend um Fulda nachweislich diese deutschen Aussiedler. Das seinerzeit mitgebrachte Kulturgut, vor allem aber die deutsche Sprache weiterhin zu pflegen und zu unterhalten sehen die heutigen Nachfahren der sog. Donauschwaben in dieser südlichen Region Ungarns als besonders vordringliche Aufgabe an, wie den Gästen aus der Bundesrepublik immer wieder versichert wurde. Die jüngere Geschichte der ungarischen und deutschen Nationalitäten im Lande kam bei einem Empfang im Regierungsamt des Komitats Baranya, in der europäischen Kulturstadt Fünfkirchen/Pecs, recht ausführlich zur Sprache. Der Präsident der Generalversammlung, der deutschstämmige Dr. Janos Hargitai schilderte in seiner Begrüßungsrede mit teilweise sehr bewegten Worten die unmenschliche Vertreibung der Deutsch-Ungarn nach dem zweiten Weltkrieg aus ihrer angestammten Heimat sowie ihre später gestattete Rückkehr. Die im Jahre 1990 vom ungarischen Parlament ausdrücklich ausgesprochene Entschuldigung bei den Vertreibungsopfern und ihre nachfolgende Entschädigung habe maßgeblich zu einer inneren Befriedung der Nationalitäten im Lande beigetragen, so der Vorsitzende des Regierungsamtes. BdV-Landesvorsitzender Siegbert Ortmann war von diesen Ausführungen so sehr beeindruckt, dass er Dr. Janos Hargitai, der zugleich unabhängiger Abgeordneter im ungarischen Parlament in Budapest ist, spontan als Festredner zum nächstjährigen zentralen Tag der Heimat nach Wiesbaden einlud. Damit könnte sicherlich ein Beitrag zu einer besseren Verständigung der deutschen Heimatvertriebenen in Kooperation mit der deutschen Minderheit in Ungarn auf der Grundlage geschichtlicher Wahrheit geleistet werden. Während in den beim Seminar aufgesuchten ungarischen Kommunen die durchgeführten Aufbauleistungen und hohen Investitionen nach dem EU-Beitritt des Landes überall sichtbar wurden, war dies in den angrenzenden kroatischen, durch den Heimatkrieg von 1991 immer noch sehr gezeichneten Städten nicht der Fall und veranlasste so auch den Bürgermeister von Weiskirchen/Beli Manastir, Ivan Dobos , bei einem Empfang im Kulturhaus seiner Stadt u.a. zu dringenden Bitten um Unterstützung bei seinen deutschen Gästen für eine alsbaldige Aufnahme seines Landes in die Europäische Gemeinschaft. Am Ende des 7-tägigen Auslandseminars war der gesamte Teilnehmerkreis mit den dargebotenem Programm und dem damit verbundenen Einblick in das beispielhafte Zusammenleben der unterschiedlichen Nationalitäten in Ungarn sehr zufrieden. Die souveräne Seminarleitung lag in den Händen des neuen Vorsitzenden des Deutsch-Europäischen Bildungswerkes (DEB), dem stellvertretenen BdV-Landesvorsitzenden Georg Stolle, der als langjähriger Bürgermeister von Bensheim in den zurückliegenden Jahren die Städtepartnerschaft mit Mohacs sehr intensiv pflegte und deshalb die maßgeblichen ungarischen Gesprächspartner vor Ort vermitteln konnte. Norbert Quaiser im November 2012
Empfang der Delegation vom BdV Hessen: Die Reisegruppe mit dem Seminarleiter und stellvertretenden hessischen BdV- Landesvorsitzenden Georg Stolle (1. Reihe vorn rechts) und dem hessischen BdV-Landesvorsitzenden Siegbert Ortmann (1. Reihe vorne links)
Der Vorsitzende des Regierungsamtes in Pecs, Dr. Jonas Hargitai (links) und der hessische BdV- Landesvorsitzende Siegbert Ortmann
Bilder: Bildungswerk