Nachlese
Home Seminare Nachlese Presse Über uns Kontakt © Deutsch-Europäisches Bildungswerk in Hessen, Friedrichstraße 35, 65185 Wiesbaden – 2018

An der deutsch-tschechischen Grenze

Grenzüberschreitende Wanderwege verbinden

Wer sich vor der Wende in der Tschechoslowakei der deutsch- tschechoslowakischen Grenze in Bayern näherte, musste glauben, die Tschechoslowakei befände sich im Kriegszustand. Die Sperranlagen waren fast unüberwindlich. Die tschechoslowakischen Grenzsoldaten beobachteten jeden misstrauisch, der sich dem Grenzverlauf näherte. Begab sich jemand auf tschechoslowakisches Gebiet, musste mit einer Verhaftung gerechnet werden. Auch machten die tschechoslowakischen Grenztruppen gegenüber „Grenzverletzern" von der Schusswaffe Gebrauch. Heute ist an der deutsch-tschechischen Grenze nichts mehr vom Eisernen Vorhang zu spüren, der zwei unterschiedliche Gesellschaftssysteme trennte. An der deutsch- tschechischen Grenze wurden grenzüberschreitende Wanderwege eingerichtet. Die Grenze können EU- Bürger und Bürger der Tschechischen Republik überschreiten, wenn sie einen gültigen Reisepass oder einen Personalausweis mit sich führen. Wer einmal dem Trubel von Touristengebieten entgehen will und die Einsamkeit sucht, sollte eine Wanderung über den grenzüberschreitenden Wanderweg Hatzenreuth-Alt-Kinsberg/Stary Hroznatov in der Nähe von Waldsasssen unternehmen. Die Gegend wirkt sonntags wie ausgestorben. Von der Straße führt ein Feldweg zu einem kleinen Parkplatz für wenige Fahrzeuge. An diesem Sonntag ist der Parkplatz leer. Wir sind anscheinend die einzigen, die den grenzüberschreitenden Wanderweg benutzen. Auf dem Rückweg bemerken wir noch einige andere Pkw. Am Horizont leuchtet die Wallfahrtskirche Maria Loreto in der Sonne. Der Weg führt direkt am Grenzverlauf entlang. Zu Zeiten des Kalten Krieges wäre es nicht ratsam gewesen hier zu wandern. Ein Obstbaumlehrpfad gibt eine Überblick über die in diesem Gebiet angepflanzten Obstbäume. Der frühere Kolonnenweg der Grenztruppen der Tschechoslowakei ist zu einem Wanderweg und zu einer Obstbaumallee geworden. In der Ferne erhebt sich mäjestätisch das sagenumwobene Schloss Alt Kinsberg mit dem "Schwarzen Turm". Ursprünglich Grenzburg erfolgte im 17 Jahrhundert der Umbau als Renaissanceschloss. In der romanischen Burg starb nach einer Legende der Stifter der Klöster von Tepl und Chotieschau der später heilig gesprochene Ritter von Hroznata an Hunger. Er war dort Gefangener der von ihm bekämpften Raubritter. Auch Goethe war von dem Schloss begeistert. Zu dem SchwarzenTurm bemerkte er: "Stünde dieser Turm in Trier, so würde man ihn zu den vorzüglichsten dortigen Altertümern rechnen, stände er in Rom, so würde man zu ihm pilgern". Der Weg führt durch Alt-Kinsberg weiter zu der Wallfahrtskirche Maria Loreto. Im Dorf gibt es eine Gaststätte nur für deutsche Touristen, die überwiegend mit dem Auto kommen. Die Kommunisten hatten die Wallfahrtskirche Maria Loreto verfallen lassen. Durch die Initiative des deutschen Fördervereins unter dem Sudetendeutschen Anton Hart, der auf der bayerischen Seite ein Ziegelwerk betreibt, erhielt die Kirche wieder neuen Glanz. Eine Besichtigung der Kirche ist nur nach vorheriger Anmeldung bei Herrn Erwin Sommer, Stationsweg 42, 09566 Waldsassen. Telefon 09632/8547 möglich. Von Maria Loreto führen Wanderwege in verschiedene Richtungen. Die Wegstrecke vom Wanderparkplatz bis nach Maria Loreto beträgt etwa 4 km. Text und Fotos: Adolf Wolf
Das Renaissanceschloss in Alt-Kinsberg
Der schwarze Turm ist von der früheren Grenzburg in Alt-Kinsberg übrig geblieben
Die Wallfahrtskirche Maria Loreto